Natürlich hat man eine Auslandskrankenversicherung, aber nicht immer gibt es einen Arzt. Und wenn es einen gibt, hat der überhaupt studiert? Muss man für manche Krankheiten das Risiko eines Arztbesuchs wirklich eingehen?

Wenn man in exotischen Gefilden unterwegs ist, dann läuft man Gefahr, sich gewisse Krankheiten einzufangen. Nein, Durchfall und Magen-Darmleiden sind normal. Da muss jeder mal durch. Gegen das Schlimmste kann man impfen. Ich denke da, zum Beispiel, an den Cholera-Ausbruch an der Afghanisch-Tajikischen Grenze. Oder die Krankheit ist mehr oder weniger einfach zu heilen, wie etwa die Pest. Tatsächlich gab es dieses Jahr einen Ausbruch in Kirgistan (Reisetipp: Be aware of Murmeltiers!).

Oder man hat immer den Worst-Case im Hinterkopf, wie beispielsweise Todesarten, die man auf jeden Fall vermeiden möchte. Dazu gehört Tollwut: ein Virus, das durch die Nervenbahnen zum Gehirn wandert und dort so starke Schmerzen verursacht, dass man Beisswut bekommt – as close as you can get to being a Zombie. Die Impfung zuhause wurde mir verweigert, weil der Impfstoff knapp war d.h.  ich konnte mir keinen Seelenfrieden spritzen lassen. Dann impft die Vorsicht. Bei jedem Tier, dass man in freier Wildbahn sieht, hält man nach Schaum vor dem Mund Ausschau und denkt „Wie niedlich, aber bleib bloß weg von mir!“

Was ist aber mit den „Seuchen“, die nicht lebensbedrohlich sind, sondern „nur“ auf die Psyche drücken? Wenn es vorbei ist, lacht man drüber, aber mittendrin ist das Hirn im Schraubstock. Ich hatte neulich eine richtig lustige Unterhaltung mit einem anderen Reisenden. Irgendwie sind wir auf das Thema „peinliche Krankheiten“ gekommen und den ganzen Abend dabei geblieben. Hier ein paar Auszüge:

In Afrika sind Mückenstiche etwas ganz Normales. Manche entzünden sich auch ein bisschen und schwellen an, wie große Pickel. Man denkt sich noch nichts dabei. Irgendwann, unter der Dusche, kommt man in die Versuchung einen davon auszudrücken und erlebt sein blaues Wunder. Denn neben dem Eiter schaut auch ein kleiner Larven-Kopf aus der Wunde. Der guckt einen kurz an und verschwindet gleich wieder unter der Haut. Wenn man den ersten Schock überwunden hat, wird einem erst bewusst, dass man etwa 20 dieser Stiche hat, vor allem am Rücken und am Hintern. Die erste Reaktion ist: Hilfe suchen. Man geht also zum Tourguide und zeigt ihm das Problem, der ist Afrikaner und muss sich ja auskennen. Wenn der allerdings nur angewidert das Gesicht verzieht und „Igitt!“ schreit, dann fühlt man sich ein bisschen allein gelassen. Die nächsten Tage sind psychisch sehr anstrengend, weil man erst zur nächsten Stadt kommen muss. Dort geht man zum Arzt, der für Auflösung sorgt: „Aha, Putzi-Flies. Passt schon, hier ist eine Salbe.“

Für die Jungs: Reisen in Thailand. Ihr wacht eines Morgens auf und geht zum Pinkeln. Als ihr so runter guckt, seht ihr etwas Ungewöhnliches: viele kleine, weiße Bläschen. „Das sieht nicht richtig aus“, denkt ihr euch und, weil ihr gerade in Bangkok seid, geht ihr zum Arzt. Der sieht sich das Ganze aus nächster Nähe an, seufzt und blickt euch tief in die Augen: „Du warst bei den Mädchen, oder?“ -Nein. „Ach komm, gib’s zu. Das ist Herpes“

„Herpes!?“ schreit euer Kopf. Ihr wart nicht bei den Mädchen, aber fangt an zu überlegen, wann ihr das letzte Mal so richtig betrunken wart. Auch in den folgenden Tage fällt euch nichts ein. Die Medizin, die der Arzt verschreibt, hilft nicht. Ihr geht zu anderen Ärzten, alle sagen das gleiche. Nach einer Weile gebt ihr auf und siehe da, irgendwann sind die Bläschen verschwunden. Fast vergesst ihr die Geschichte, bis eines Tages, auf einem Flug nach Singapur, die Bläschen wieder auftauchen. Wieder geht ihr zum Arzt und macht euch auf das Schlimmste gefasst. Noch bevor der Arzt zu reden anfängt, sagt ihr: „Hör zu, ich weiß, viele sagen das ist Herpes, aber ich war nicht bei den Mädchen.“ Der Arzt fängt an zu lachen: „Was? Haben die gesagt das sei Herpes? Nein, nein, das ist nur eine Hautirritation durch zu viel Schwitzen.“

Ein Reiseleiden, dessen Dunkelziffer sicherlich ziemlich hoch ist, hängt direkt mit dem typischen Reisedurchfall zusammen. Man besucht häufig die Toilette und benutzt daher auch oft Klopapier. Jetzt ist es aber so, dass in armen Ländern das Klopapier nicht so schön fluffig weich ist, wie bei uns. Nein, das ist meist recyceltes Zeitungspapier bzw. einfach Zeitungspapier. Für das Hinterteil ist das wie die chinesische Wassertropfen-Folter. Irgendwann hat man das Gefühl, man wischt sich mit Schmirgelpapier ab. Und wenn man an dem Punkt nicht aufpasst, kann es passieren, dass man sich im wahrsten Sinn des Wortes den „Arsch aufreißt“. Die Verletzung entzündet sich und es wächst eine Geschwulst, die mal so richtig weh tut. Nach Murphys Gesetz passiert das auch gern auf langen Bus- oder Zugfahrten, bei denen man viel sitzen muss. Zum Arzt geht deswegen erst mal keiner. Bis das Ding weg ist, kann es bis zu vier Wochen dauern, aber immerhin geht es von alleine weg.