„Wer kotzen muss, bitte ganz nach hinten durchgehen“, so die Worte des Kapitäns vor dem 4-stündigen Trip mit dem Motorboot von Key West zu den Dry Tortugas. Das ist die westlichste Inselgruppe der Florida Keys und berühmt für Wildlife und Korallenriffe. Der Name kommt daher: Viele Schildkröten + kein Trinkwasser = Dry Tortugas. Jedenfalls hat sich auf der Hinfahrt kaum jemand übergeben, aber dafür beim Zurückfahren fast jeder. Mein damaliger Freund und ich saßen ganz hinten im Boot – da schaukelt es am wenigsten – und haben das ganze Elend mitbekommen. Ich habe weggeguckt, er hat hingeguckt. Der Dialog: „Schau, der hat Spagetti gegessen.“ – „Ich will’s nicht wissen!“  Ich bin nur deshalb nicht mit ins Rückwärtsessen eingestiegen, weil eine nette Dame ihre Medizin mit mir geteilt hat.

Hier mein erster Reisetipp: Auch wenn ihr meint, ihr braucht es nicht, nehmt ein Mittel gegen Seekrankheit mit. Das gibt es in den USA in jedem Drug Store.

 

Wir haben nur einen Tagesausflug gemacht, Fort Jefferson angeschaut und waren dort noch ein wenig schnorcheln – dabei fing es übrigens schon an mit meiner Seekrankheit. Die Festung aus dem 19. Jahrhundert ist ganz adrett, aber Schnorcheln kann man an anderen Orten wahrscheinlich besser.

Zweiter Reisetipp: Je nach Interesse und Geldbeutel, sollte man zwei bis drei Tage auf den Dry Tortugas verbringen, Campen und sich von einem Guide die schönsten Orte zeigen lassen.

Low Budget sind die Keys allgemein nicht, dafür aber immer gut ausgebucht. Das bitte auch bedenken, wenn man Couchsurfing.org nutzen möchte. Bei der Hotelsuche sind die schönen, alten Historic Key West Inns einen Blick wert. Die sind oft sogar noch billiger als die neuen Hotels. Wir waren im Key Lime Inn und mit dem Preis-Leistungsverhältnis zufrieden. Unter 100 $ die Nacht bekommt man in der Hauptsaison hier nichts und das ist schon utopisch billig. Die Reise zu den Florida Keys war damals ein relativ entspannter Pärchenausflug ohne Kamikaze-Einsätze. Wir sind nach Miami geflogen, haben uns dort ein Auto gemietet und sind nach Key West gefahren – eine ziemlich schöne Strecke, von Insel zu Insel über die Brücken mit Blick auf den Ozean. Auf Key West haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind dort kreuz und quer über die Insel geradelt.

Sight Seeing:

Wir haben uns das frühere Haus des Schriftstellers Ernest Hemingway angeschaut, inklusive dutzender polydaktyler Katzen, die zum Inventar gehören. Wegen einer genetischen Anomalie haben sie allesamt sechs Zehen an den Pfoten – für mich der interessanteste Aspekt der Hausbesichtigung. Aber natürlich muss man Bilder, Einrichtung und Jagdtrophäen auch mal gesehen haben – genauso wie Hemingways Lieblingsbar Sloppy Joes. Da sind ihm sicher so schlaue Sprüche eingefallen, wie „ein intelligenter Mann ist manchmal dazu gezwungen betrunken zu sein, um Zeit mit Idioten zu verbringen“ oder „Moral ist das wonach du dich gut fühlst und immoralisch ist das wonach du dich schlecht fühlst“.

Strände gibt es auf Key West nicht viele. Wenn man also einen Strandtag verbringen möchte, ist die Insel Bahia Honda ideal. Falls jemandem faule Strandtage zu langweilig sind, kann er mit dem Kanu über das Meer paddeln, oder eben Schnorcheln gehen. Kite-Surfen gibt es auf Islamorada. Dort gibt es auch einen riesigen Plastik-Hummer direkt an der Straße. Solche Gegenstände der Superlative mit fragwürdigem Sinn sind charakeristisch für die USA. Man denke nur an Prairie Dog Town in Oakley, Kansas, „home of the giant prairie dog“. Aber das war ein anderer Road Trip.

Zurück zu den Stränden von Key West. Smathers Beach ist ziemlich schön, aber nicht sehr groß. Und wer denkt, nachts ungestört sex on the beach genießen zu können, entdeckt vielleicht mucksmäuschenstille Zaungäste. Und wo wir schon bei den Klischees sind, vielleicht kann mir mal ein Mitglied des Mile High Clubs sagen, wie man zu zweit diese Flugzeugkabine kommt, ohne dass es alle mitkriegen.

 

 

 

Tagsüber kann man sich auf Key West die schönen Gebäude anschauen, ins Schmetterlingshaus gehen oder kubanisches Essen genießen. Was man auf den Keys auch einmal probiert haben muss, ist der zuckersüße Key Lime Pie oder das „Conch Meat“. Letzteres ist das Fleisch des Tieres, das normalerweise in den großen Muscheln wohnt, die man sich an’s Ohr hält, um das Meer rauschen zu hören. Dieses schneckenartige Tier ist aber live im Aquarium interessanter als auf dem Teller. Erst rüsselt es herum und wenn alle Steine abgegrast sind, lässt es sich mit seinem dicken Fußsockel woanders hinplumsen. Zur kuriosen Tierwelt auf den Keys gehören auch die kleinen Weißwedelhirsche, Key Deer genannt, hauptsächlich vertreten auf der Insel No Name Key. Die sind meistens an Touristen gewöhnt und möchten am liebsten mit ins Auto kriechen.

Durch seine Nähe zu Kuba, ist die Kultur auf den Keys sehr ausgeprägt. Nachts sollte man sich nicht mit den „Spring-Break-Teenies“ in den Bars der Duval Street herum treiben, sondern einmal eine abseits gelegene kubanische Bar aufsuchen. Wir haben irgendwann einen Pub Crawl gemacht – die Duval Street hinauf, zum Pier und Mallory Square und sind dann in einer Gasse im Nord-Westen der Insel auf eine authentische Bar mit authentischen Menschen gestoßen. Den Namen habe ich leider vergessen. Auf jeden Fall haben wir einen Couchsurfer kennengelernt, der nach Key West gezogen ist, um die Familientradition der Schriftstellerei aufrecht zu erhalten. Aus Mangel an Kreativität für die hohe Prosa, hat er einen Reiseführer geschrieben: 50 semi-legal ways how to get into Cuba. Bevor die Reisebestimmungen 2011 in den USA gelockert wurden, sicher ein Verkaufsschlager.

Wer übrigens meint, noch nicht genug Geld ausgegeben zu haben, der kann sich auch in einem der hippen Läden in der Duval Street neu einkleiden. Ich hatte damals Erstkontakt mit der Wassersportmarke Bodyglove und war beeindruckt von der Qualität. Den Bikini hab ich immer noch. Keine Schleichwerbung, wenn was taugt, kann man’s ruhig sagen.

Fazit: Die Florida Keys sind sehr schön, aber leider auch sehr teuer. Low Budget geht anders und wer es hat, der sollte für das Geld lieber nach Kuba fliegen – solange es dort noch klassisch kubanisch ist. Immerhin ist auf den Keys an Aktivitäten und Kuriositäten einiges geboten und ich bin froh, dass ich einmal dort war.

Wir haben den Trip auf eigene Faust gemacht und uns Flug, Pension und Mietwagen selbst zusammengebucht. Wer sich diesen Aufwand lieber sparen möchte, kann sich von meinem Kooperationspartner USA-Reisen-Experte.de unterstützen lassen.  Mit dem Gutscheincode „50globestories“ könnt ihr sogar 50 Euro bei der Buchung sparen. Viel Spaß damit!

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