Der Name ist am Anfang ungewohnt: „Wie heißt der? Bierwaldstättersee?“ fragt Simone am Telefon. – „Nein, nicht Bier-, sondern Vierwaldstättersee“, wiederhole ich, als ich das Reiseziel beschreibe. Daher ist später immer vom „Biersee“ die Rede. Meine Münchner VW-Bus-Freunde kommen mich besuchen. Aber so einfach scheint der über 100 Quadratkilometer große See in der Zentralschweiz nicht zu finden zu sein. Der nächste Anruf kommt spät in der Nacht: „Wir sind in Italien!“

Zum Glück haben sich die Jungs und Mädels doch nicht ganz bis nach Italien verirrt, sondern nur bis ins Tessin, einem Italienisch sprachigen Teil der Schweiz. So verbringen sie einen zusätzlichen Tag am Lago Maggiore, Heimat des teuren Cappuccinos und des berühmten James Bond Bungee Sprungs, wie ich mir sagen lasse.

Aber es ist nicht der Lago Maggiore, der sich so schön als Gardasee-Alternative anbietet, sondern eben der „Biersee“, dessen Südufer direkt an den Urner Alpen liegt, ein Geheimtipp und genauso ein Outdoorsport-Paradies wie der Lago in Oberitalien: Umgeben von Bergen, mit klarem Wasser und genug Wind für Surfer und Segler. In der Umgebung gibt es Mountainbikestrecken und Radwege, Klettersteige und Kletterwände und ausgiebige Serpentinenstraßen für Motorräder.

Als Wander- und Klettersteigoption bietet sich die Göscheneralp an. Bis zum Gasthaus Dammagletscher am Stausee kann man mit dem Auto fahren oder schon vorher auf dem einzigen Gebirgszeltplatz im Kanton Uri sein Lager aufschlagen. Vom Gasthaus am Staudamm ist es dann ein knackiger aber malerischer 2,5-stündiger Zustieg zur Bergseehütte auf 2370 Metern. Wer keine Ausrüstung dabei hat, kann sich Klettersteigset und Gurt in der Hütte ausleihen, um dann das „Krokodil“ zu bezwingen. Daneben ist der Diavolo in der Schöllenen auch eine beliebte Klettersteigvariante in der Gegend, allerdings besser zu erreichen vom Wintersportort Andermatt.

Wer auch noch das Seil eingepackt hat, kann sich an einer der vielen Kletterwände in der Gegend verausgaben. Wir waren für ein kleines Intermezzo in der prallen Mittagssonne beim Klettergarten Chämiloch in Seewen, weil der ziemlich nah bei unserem Campingplatz im Örtchen Brunnen lag. Der einzige Haken an der Schweiz, verglichen mit Italien sind die Preise. Billige Pensionen kosten 120 Schweizer Franken (CHF) pro Nacht, umgerechnet etwa 100 Euro. Restaurant- und Supermarktpreise sind auch deftig, die Verpflegung also besser selbst mitbringen. Camping allerdings ist überraschend günstig. Der Campingplatz Hopfreben liegt ruhig im Grünen, direkt am See und kostet 8 CHF pro Zelt und 12 pro Auto. Wie am Gardasee macht man sich mit eigenem Transport das Leben erheblich leichter, aber „Öffis“ gibt es in der Schweiz genug. In den Urner Bergen heißt der Bus „Postauto“.

Bevor es wieder nach Hause geht, springen wir noch einmal in den See, am Steg auf dem Campingplatzgelände: Windsurfing Urnersee im Dorf Flüelen. Dort kann man auch Wassersportequipment aller Art ausleihen, vom Kajak bis zu Wakeboard, allerdings sind die Preise weit über denen im Windsurfparadies Torbole am Gardasee, vor allem für Kurse.

Zusatztipps:

Wer bei dem ganzen Outdoorprogramm auch mal Lust auf City hat, der kann einen Nachmittag in Luzern flanieren und sich dort entweder ein kühles Feldschlösschen (Schweizer Bier) oder ein Glace (Schweizer Wort für Eis) auf der Promenade gönnen.

Für bessere Verständigung mit den Einheimischen und die totale „Swissness“, kann man gelegentlich einen Blick in das Schweizerische Idiotikon werfen. Hier noch ein kurzes Add-on von mir aus der Reihe der Fahrzeuge: Velo, Töff und Schießtrack, übersetzt Fahrrad, Motorrad und Scheißdreck.

 

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